Auf dem Ägerisee ist Zukunft bereits Gegenwart geworden. Die MS Ägerisee, ein 24 Meter langes Kursschiff mit 130 Plätzen, gleitet seit Mai 2025 rein elektrisch über den See – leise, ohne Abgase, gespeist von Wasserkraft aus der Region. Im Winter zuvor erhielt das Schiff in einem achtwöchigen Umbau neue Innereien: Statt der alten Dieselmotoren arbeiten nun zwei Batteriepakete, zusammen 2,5 Tonnen schwer.
Das Schiff spart seither rund 38 Tonnen CO₂ pro Jahr. Möglich macht das eine ausgereifte Technik: Zwei Batteriepakete mit zusammen rund 280 Kilowattstunden liefern genug Energie für etwa 70 Kilometer Reichweite bei 11 km/h. Das entspricht drei Rundfahrten täglich, wozu kurze Zwischenladungen am Steg genügen. Dank nur 700 Kilogramm Mehrgewicht durch die neuen Batterien erfüllt das Schiff weiterhin alle Sicherheitsvorschriften. Finanziert wurde das Projekt gemeinsam: Die Ägerisee-Schifffahrt, die Gemeinden Unter- und Oberägeri sowie die Zuger Kantonalbank trugen den Umbau.
Wasserstoff als Alternative für grössere Schiffe
Auf dem Vierwaldstättersee geht die Schifffahrtsgesellschaft SGV einen anderen Weg. Die MS Saphir, ein 49 Meter langes Ausflugsschiff für 300 Passagiere, wird seit Oktober 2025 auf einen Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb umgerüstet. Die Technik kombiniert eine Brennstoffzelle, die Wasserstoff in Strom umwandelt, mit einer grossen Batterie von 737 Kilowattstunden. Ab Sommer 2026 soll die Saphir als erstes Wasserstoffschiff der Schweiz wieder Fahrgäste befördern – und dabei jährlich rund 50’000 Liter Diesel einsparen, was etwa 130 Tonnen CO₂ entspricht.
Die Investition ist erheblich: 4 bis 5 Millionen Franken kostet der Umbau, inklusive einer Wasserstofftankstelle. Der grüne Wasserstoff kommt aus Bürglen im Kanton Uri, wo eine 2-Megawatt-Elektrolyseanlage mit Wasserkraft bis zu 260 Tonnen Wasserstoff pro Jahr produzieren soll. Das Bundesamt für Verkehr unterstützt das Projekt im Rahmen des Programms «Energieeffizienter öffentlicher Verkehr 2050».
Eine schweizweite Aufbruchstimmung
Die beiden Projekte sind keine Einzelfälle. Auf dem Zürichsee fährt seit 2025 die EMS Uetliberg, das grösste Elektroschiff der Schweiz, und spart jährlich 300 Tonnen CO₂. Zwei weitere Schiffe der Zürichsee-Schifffahrt folgen bis 2027. Auf dem Lago di Lugano verkehrt seit 2021 die 90-jährige MNE Ceresio vollelektrisch, am Bodensee seit 2023 der Elektro-Katamaran MS Insel Mainau. Auf dem Brienzer- und dem Thunersee setzen die BLS-Schiffe auf Hybridantriebe.
«In 20 Jahren werden wir keine Diesel-Passagierschiffe mehr haben», prognostizierte Werftchef Ruedi Stadelmann bereits 2020 gegenüber dem «Blick». Die technischen Lösungen sind vorhanden, die Frage ist nur noch: Batterie, Wasserstoff oder Hybrid? Die Antwort hängt von Schiffsgrösse, Streckenlänge und Ladeinfrastruktur ab. Kleinere Seen setzen auf Batterien, grössere Schiffe auf Wasserstoff oder Hybridkonzepte.
Die Bewegung ist längst im Gang. Bis 2040, schätzen Branchenexperten, könnte die gesamte Schweizer Personenschifffahrt klimaneutral sein. Was heute noch eine Umstellung bedeutet, wird dann selbstverständlich sein: Schiffe, die leise gleiten statt laut tuckern. Und die dabei sauber bleiben.

