Man darf es ruhig einen rasenden Fortschritt nennen: Die Verkaufszahlen von Elektroautos stürmen von Rekordwert zu Rekordwert, würden momentan keine Lieferengpässe bestehen, zeigte die Kurve noch steiler nach oben. «Jedes vierte verkaufte Auto hat heute einen Stecker», sagt Peter Arnet, Geschäftsführer von BKW Smart Energy & Mobility AG.
In den kommenden Jahren werden zudem vermehrt Firmen ihre Wagenparks durch Elektroautos ersetzen. «Bis 2030 werden voraussichtlich 90 Prozent der Unternehmen E-Auto-Flotten haben», sagt er. Auch zeichne sich eine Zunahme bei elektrischen Lastwagen ab. Beim Einsatz von Wasserstoff im Strassenverkehr sei der Energieverlust zu hoch. «Ich vermute, dass sich E-LKWs durchsetzen werden», sagt er, räumt aber ein, dass auch Wasserstoff eine Rolle spielen könnte.
E-LKWs benötigen indessen hohe Ladeleistungen. Ein LKW hat eine Speicherkapazität von 900 Kilowattstunden. Wenn er nicht im Megawattbereich geladen wird, dauert das Laden zu lange. Massiv mehr Elektroautos, zusätzliche Flotten von E-LKWs, hoher Ladebedarf – dies alles stellt Anforderungen an die Ladeinfrastruktur: Sie muss immense Ladeleistungen erbringen können und sollte dabei möglichst wenig Platz in Anspruch nehmen, so dass sich über Nacht auch Fuhrparks mit Dutzenden Fahrzeugen laden lassen.
Laden mit bis zu 950 Kilowatt
Die Lösung kommt aus Deutschland und heisst eLoaded. «Als wir auf die Technologie von eLoaded stiessen, wussten wir: Hier liegt die Zukunft der Elektromobilität», sagt Arnet. Wobei «liegen» buchstäblich zu verstehen ist: Die neue Ladeinfrastruktur von eLoaded wird als sogenannte Ringleitung im Boden verlegt – versorgt mit Hochleistungsgleichstrom von 1000 Volt Spannung. An die Ringleitung angeschlossen sind schlanke Ladesäulen, die zwischen 50 und 950 Kilowatt Leistung liefern – genug, um auch einen E-LKW in nützlicher Zeit zu laden.
Die Infrastruktur bietet weitere Vorteile: Der Hochspannungsstrom muss nicht mehr zuerst in Wechselstrom und danach zurück in Gleichstrom umgewandelt werden, wie dies heute der Fall ist. Damit entfallen die klobigen Ladekästen. «Durch die Zuleitung von Hochspannungsstrom haben wir zudem weniger Leistungsverluste durch Wärmeerzeugung», sagt Arnet. Es resultiere eine höhere Effizienz.
E-Tankstellen mit Dutzenden Ladestationen
Der grösste Vorteil liegt aber in der schieren Menge Ladestationen, die sich anschliessen lassen – laut Arnet nämlich eine unbeschränkte Anzahl. Umgekehrt lohne sich die Installation aber erst ab zehn Stationen. Damit ist die Technologie prädestiniert für E-Tankstellen im Stil der heutigen Autobahnraststätten. Im deutschen Zusmarshausen entsteht derzeit eine E-Tankstelle mit 144 Ladestationen – es wird eine der grössten Stromtankstellen Europas sein.



